Die Microsoft Build 2026 ist gerade zu Ende gegangen und sie war anders als die Jahre zuvor. Wo früher einzelne Features im Mittelpunkt standen, ging es diesmal um eine grundlegende Verschiebung: weg von KI, die auf Befehle wartet, hin zu KI, die eigenständig arbeitet. Die Konferenz fand am 2. und 3. Juni 2026 statt und brachte laut Branchenberichten über hundert Ankündigungen mit sich, vorrangig ging es dabei um die Weiterentwicklung bestehender Tools, insbesondere solcher mit KI- und Agenten-Bezug, ergänzt um einige Versprechen ohne konkreten Termin.
Microsoft Scout: Der erste "Autopilot"
Die mit Abstand meistdiskutierte Neuheit trägt den Namen Microsoft Scout. Microsoft nennt es einen Autopilot, also einen KI-Agenten, der dauerhaft im Hintergrund mitläuft, statt auf eine Eingabe zu warten. Scout beobachtet Postfach, Kalender, Dokumente und Teams-Unterhaltungen und erkennt eigenständig, was zu tun ist. In der Vorführung übernahm das System unter anderem das Sortieren von E-Mails, die Terminabstimmung über Abteilungsgrenzen hinweg und das Erstellen von Statusberichten, ganz ohne, dass jemand ihn manuell anstößt.
Wichtig für die Einordnung: Scout startet zunächst nur für eine ausgewählte Gruppe von Unternehmen im sogenannten Frontier-Programm. Für die breite Masse ist Scout aktuell noch keine aktivierbare Funktion, sondern eine Vorschau auf die Richtung, in die Microsoft steuert.
Work IQ, Fabric IQ, Web IQ: Das Fundament dahinter
Damit Agenten wie Scout überhaupt sinnvoll arbeiten können, braucht es Kontext. Genau dafür hat Microsoft eine ganze Familie von Datenschichten vorgestellt, zusammengefasst unter dem Begriff Microsoft IQ:
- Work IQ liefert den Arbeitskontext, wer mit wem kommuniziert, welche Dokumente zusammengehören und welche Termine wichtig sind. Diese Schnittstellen werden laut Microsoft am 16. Juni 2026 allgemein verfügbar.
- Fabric IQ bündelt strukturierte Geschäftsdaten.
- Web IQ bindet aktuelle Informationen aus dem Internet ein.
Zusammen sollen diese drei Quellen dafür sorgen, dass Agenten künftig präzisere und besser belegte Antworten liefern, statt "blind" auf unvollständige Daten zuzugreifen.
Wie das das ganze sinnvoll in die Micrsoft 365 Suite integriert werden kann, bleibt abzuwarten.
Nicht alles bleibt Zukunftsmusik: Microsoft macht den sogenannten Agent Mode zur Standardeinstellung in mehreren Office-Anwendungen, darunter Word, Excel und PowerPoint. Dazu hat die Copilot-Oberfläche ein aufgeräumteres, schnelleres Design bekommen. Statt wie bisher nur punktuell zu helfen (einen Absatz umschreiben, eine Formel erklären), bearbeitet Copilot im Agent Mode jetzt größere, mehrstufige Aufgaben eigenständig – etwa ein komplettes Angebot strukturieren, befüllen und gegenprüfen.

Copilot Studio, Agent 365 und Copilot Credits
Für Unternehmen, die eigene KI-Agenten bauen wollen, baut Microsoft Copilot Studio weiter aus: Agenten können nun einfacher gebaut werden, untereinander Aufgaben aufteilen und über mehrere Systeme zusammenarbeiten. Sobald mehrere Agenten im Unternehmen laufen, kommt Agent 365 ins Spiel, eine Art "Schaltzentrale", bei der jeder Agent eine eigene Identität bekommt, ähnlich einem Mitarbeiterkonto, um zu steuern, was er darf, worauf er zugreift und was er getan hat.
Parallel dazu führt Microsoft mit Copilot Credits ein neues Abrechnungsmodell ein: Wenn lizenzierte Mitarbeitende Copilot ganz normal in Teams, Outlook, Word und Co. nutzen, ändert sich nichts. Der Zähler läuft erst, wenn Agenten eigenständig im Hintergrund arbeiten, etwa über Nacht, oder wenn Agenten außerhalb der gewohnten Copilot-Oberflächen Daten anzapfen. Budgets und Warnschwellen lassen sich im Microsoft 365 Admin Center festlegen.
Auch für Entwickler und Windows: Intelligent Terminal
Über die Office-Welt hinaus gab es auch ein Windows-nahes Highlight: Das Intelligent Terminal ist ein Fork des regulären Windows-Terminal und bietet eine Schnittstelle, um ACP-konforme (Agent Communication Protocol) Agenten direkt ins Terminal einzubinden. Statt die KI nach Lösungen zu fragen und Ergebnisse manuell anzuwenden, sagt man dem Terminal, was es tun soll, und bestätigt die gefundenen Lösungswege. Es befindet sich im Vorschaustadium und ist im Microsoft Store erhältlich.
Einordnung: Viel Vision, wenig sofort Nutzbares
Die Build 2026 hat gezeigt, dass Microsoft die Zukunft nicht mehr in einzelnen KI-Assistenten sieht, sondern in einem Ökosystem aus spezialisierten Agenten, die miteinander kommunizieren und komplexe Aufgaben lösen. Trotzdem mahnen Beobachter zur Nüchternheit: Vieles von dem, was vorgestellt wurde, ist Vorschau oder technisches Fundament, kein Werkzeug für nächste Woche. Konkret heute nutzbar sind vor allem der automatisch ausgerollte Agent Mode in Office sowie einfache, interne Agenten über Copilot Studio mit bestehenden Lizenzen.